Trauer bewegen und Herzensanliegen aufspüren – Impressionen vom Tagessemiar mit Trauernden bei AETAS

Januar 2020

Trauer bewegen und Herzensanliegen aufspüren  

Tanzdialog mit Trauernden am 11. Januar bei AETAS München

Für einen Tag war Tanzdialog mit Trauernden am 11. Januar wieder zu Gast bei AETAS Lebens- und Trauerkultur in München. Was so ein Tag bringen kann sei hier skizziert.

Im lichtdurchfluteten Raum laden Korbstühle ein sich niederzulassen. Ankommende nehmen nach und nach Platz. Wenig später sind die Stühle leer, Musik erklingt, dazu Schritte - vorsichtig tastend, kaum hörbar, oder raumgreifend und mit Nachdruck gesetzt - Ausdruck ganz unterschiedlicher Befindlichkeiten. Neue Musik, die vielen Füße klingen jetzt synchron, eine ganze Zeitlang. Dann Stille.

Nach einiger Zeit zurück auf ihren Plätzen: bewegte Menschen, die nun teilen, was ihnen am Herzen liegt. Hier im Kreis wird sie nicht wieder dieser kleine Tod ereilen, von dem eine Teilnehmerin so eindrücklich spricht: die schmerzliche Erfahrung, vor verschlossenen Türen zu stehen, sprachlos und allein mit der Trauer, die im Umfeld kaum mehr toleriert wird, weil es doch irgendwann gut sein muss mit dem Trauern.

Im Tanzdialog begegnen sich Trauernde von Herz zu Herz, so hat es eine Teilnehmerin einmal auf den Punkt gebracht. Betroffene gönnen sich diesen Tag, um zu rasten und vom Funktionieren im Job zum Spüren des Eigenen zu kommen. Sie sind da, um Kraft zu schöpfen und heil zu werden auf den Weg der Selbstfürsorge. Sie bringen den Wunsch mit, den Körper sprechen zu lassen, wo Worte fehlen auf diesem immer noch neuen Weg vom Wir zum Ich. Wer nicht zum ersten Mal teilnimmt, findet es gut, jetzt wieder da zu sein, wo Zeit und Raum ist für Herzensanliegen.

Es ist ein Tag, an dem auch der Körper zu seinem Recht kommt, ein Tag voll Musik und Tanz. Musik, die in die Beine geht. Oder ans Herz: Nahrung für die Seele, gewürzt mit behutsam eingestreuten Kurztexten und Gedichten.

Am Ende des Tages fallen weiche Bewegungen ins Auge, die Teilnehmenden erscheinen gelöst, sie sind im regen Austausch.  Wie es sich anfühlt, im Körper zuhause zu sein, sei nun wieder greifbar geworden und inspiriere zu neuen Plänen: mehr Singen, mehr Tanzen, mehr Bewegung und mehr Begegnung. Tiefes Mitfühlen im geschützten Kreis wurde als wohltuend empfunden und hat das Herz beruhigt.

Wer sich an diesem Abend auf den Weg macht zurück in den Alltag, geht ruhigen Herzens, die Trauer zwar nach wie vor im Gepäck, natürlich, aber neue, eigene Wege im Blick und aufgespürte Herzensanliegen im Sinn.

Kurzinfo zur Autorin:

Romatänze bei Piry Krakow. Frauentänze bei Laura Shannon. Trauertanz bei Kyriakos Chamalidis. Tanz der Gegenwart mit Body Mind Centering bei Wilma Vesseur. Rhythmik als Bildungsprinzip am Institut Rhythmikon München. Konzentratives Bewegungshandeln bei Miriam Goldberg. Köperarbeit nach Gindler, Jacoby, Hengstenberg bei Ute Strub et al.

Januar 2020: Für einen Tag war Tanzdialog mit Trauernden wieder zu Gast bei AETAS in München. Was so ein Tag bringen kann sei hier skizziert […]